Kritik an Steinbrücks Konzept zu Bad Banks nicht gerechtfertigt

An dem von mir gestern gefeierten Konzept von Steinbrück zu Bad Banks in Deutschland werden viele und unterschiedliche Kritikpunkte geäussert, die ich alle nicht wirklich teilen kann.

Bisherige Kritikpunkte:

  1. Der Steuerzahler trägt die Lasten, wird aber an den Gewinnen nicht beteiligt. Der Staat müsse z.B. einen Gegenwert für die Garantien einfordern, die er den Banken gibt, vor allem in Form von Auflagen für vermehrte Kreditvergabe. (so z.B. H. Enderlein)
  2. Die Ausgestaltung des Konzeptes ist nicht attraktiv genug für die Banken und hilft ihnen nicht ausreichend (so z.B. der Bankenverband)
  3. Die Teilnahme an dem Bad Bank-Modell sollte für alle Banken verpflichtend und nicht freiwillig sein (so z.B. die SPD Haushaltspolitiker)
  4. Das Modell ist unnötig kompliziert und erfordert hohen Bewertungsaufwand (so z.B. Blick Log)

Meine Einschätzung zu diesen Kritikpunkten:

1. Auch wenn eine verstärkte Kreditvergabe der Banken natürlich sehr gewünscht ist und den Grund konstituiert, warum das Ganze überhaupt gemacht wird, halte ich es für bedenklich, Banken zu ihrem Glück zwingen zu wollen. Da Kreditvergabe der ureigenste Geschäftszweck von Banken ist, gibt es eigentlich keinen Grund, warum Banken sich bei der Kreditvergabe übermässig zurückhalten würden, wenn denn die Rahmenbedingungen stimmen. Darum halte ich es für sinnvoller, die richtigen Rahmenbedingungen zu schaffen, anstatt Banken mit künstlich administrierten Vorgaben zu zwingen. Und da ist die Bad Bank ein hervorragender Schritt in die richtige Richtung.

2. Grundsätzlich könnte eine Bad Bank den Banken auf zwei Arten helfen. Einerseits durch Reduktion des Risikos ihrer Assets und andererseits durch die Zuführung von zusätzlichem Eigenkapital (weil der Abschreibungsbedarf für die toxischen Assets zu hoch ist und die Banken daher weiteres Eigenkapital benötigen). Während die deutsche Lösung sich ausschliesslich auf dass erste Ziel fokussiert, hilft beispielsweise das amerikanische Modell auch mit zusätzlichem Kapital, der amerikanische Staat geht hier viel stärker ins Risiko und subventioniert die Banken erheblich mehr.

Aus meiner Sicht halte ich das deutsche, zweistufige Modell erheblich sinnvoller. Zunächst werden den Banken die Risiken der toxischen Papiere abgenommen. Wenn das nicht reicht, kann auf einer Case-by-case-Basis immer noch nachgesteuert werden. Aber eine pauschale Subvention wie in den USA, die einzelnen Banken auch in unötigen Fällen zukommt, halte ich nicht für sinnvoll.

Einzig die Erfordernis, 10% der Buchwerte sofort abschreiben zu müssen, könnte einen wirklichen Hinderungsgrund für die Teilnahme von Banken darstellen, die dieses Programm eigentlich brauchen. Aber hier müssen wir sehen, wie sehr dies zutrifft und ggf. ebenfalls nachsteuern.

3. Der Sinn dieser Kritik erschliesst sich mir nicht. Da mit dem Bad Bank-Modell keinerlei weitere Auflagen verknüpft sind, wie z.B. Gehaltsobergrenzen, gibt es aus meiner Sicht keinen Grund, das Modell verpflichtend zu machen. Sollte sich die Teilnahme für eine Bank lohnen, wird sie teilnehmen. Wenn nicht, macht auch eine Zwangsteilnahme keinen Sinn.

4. Das Steinbrück-Konzept ist in der Tat eine riesige Arbeitsbeschaffungsmassnahme für Wirtschaftsprüfer. Aber mir würde selbst auch kein Weg einfallen, dies in der vorliegenden Konstruktion zu verringern. Und die Vorteile des Modells, insbesondere die geringe Belastung der Steuerzahler, überkompensiert diesen Nachteil in meinen Augen.

Nach wie vor kann ich nur sagen: Chapeau, Herr Bundesfinanzminister!

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2 Responses to Kritik an Steinbrücks Konzept zu Bad Banks nicht gerechtfertigt

  1. dels sagt:

    Hallo,
    erst einmal interessanter Blog, den ich durch den Backlink erst entdeckt habe.
    Was hälst Du denn von dem US-Modell?

    Ich würde das Chapeau vor allem an die Mitarbeiter weitergeben, die das Konzept ausgearbeitet haben.
    Persönliche rechne ich aber aus den in meinem Blog aufgezeigten Gründen, dass dieses Modell kaum genutzt wird.
    Viele Grüße
    Dels
    http://www.blicklog.com

  2. aflasbar sagt:

    Hallo Dels,

    Danke für das Kompliment, das ich natürlich voll zurückgeben kann!

    Und ja, Du hast Recht, mein Chapeau gilt natürlich auch für die Mitarbeiter, die diesen Entwurf ausgearbeitet haben.

    Ich bin auch sehr gespannt, wie stark das Programm in Anspruch genommen wird, was natürlich sehr stark damit zusammenhängt, wie stark einerseits Buch-, Markt- und tatsächliche Werte der toxischen Papiere auseinanderliegen und andererseits wie schnell diese Differenzen bilanziell abgeschrieben werden müssen. Über beides fehlen mir natürlich die Informationen, aber ich hoffe, die Steinbrück-Mitarbeiter haben sich da sorgfältig schlau gemacht…

    Das US-Modell gefällt mir aus dem fundamentalen Grund nicht, dass der Staat dort mit Steuergeldern spekuliert. Das Risiko der substantiellen Fehlspekulation finde ich gewichtiger als den notwendigen „händischen“ Bewertungsbedarf bei der deutschen „marktfernen“ Lösung.

    Liebe Grüße
    aflasbar

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