Steinbrücks Konzept zu Bad Banks

Das Bundeskabinett hat heute Steinbrücks Konzept zu Bad Banks beschlossen. Auch wenn noch nicht alle Details vollkommen klar sind, bin ich auf den ersten Bick sehr beeindruckt, weil die Risiken für den Steuerzahler auf ein absolutes Minimum beschränkt sind. Allerdings ist noch nicht klar, ob diese Konstruktion den Banken eine ausreichende Hilfe ist.

Aus Sicht des Steuerzahlers ist das Risiko dieser Konstruktion minimal:

  • Die Differenz zwischen dem Übernahmepreis der toxischen Papiere (Buchwert -10%), für den die Banken als Ausgleich Anleihen der Bad Bank erhalten und dem berechneten Fundamentalwert (Zeitwert minus Risikoabschlag) als dem „realistischsten tatsächlichen Wert der toxischen Papiere wird von den Banken getragen. Hierfür werden Rücklagen über die Restlaufzeit der toxischen Papiere gebildet.
  • Für die Sicherung der Einlagen bekommt das SoFFin eine marktadäquate Gebühr von den Banken.
  • Sollte der Fundamentalwert zu optimistisch (pessimistisch) berechnet worden sein, zahlen (bekommen) die Banken die Differenz nach Ende der Laufzeit. Diese Zusatzzahlungen werden nur dann eingefordert, wenn die Gewinnsituation der Banken es erlauben, verfallen jedoch nicht.
  • Das einzige Risiko des Steuerzahlers besteht somit darin, dass Banken insolvent werden und mögliche Ausfälle der toxischen Papiere nicht ausgleichen könnten. Angesichts der Einstufungen der Banken als systemisch relevant dürften solche Szenarien jedoch sehr unwahrscheinlich sein bzw. politisch verhindert werden.

Das Konzept dürfte den beteiligten Banken theoretisch eine erhebliche Hilfe sein:

  • Die Banken bekommen sichere, vom Soffin garantierte Anleihen als Austausch für ihre sogenannten toxischen Assets (abzüglich 10% auf den Buchwert). Hierdurch wird der Abschreibungsbedarf auf toxische Wertpapiere deren Marktwert geringer (oder gar nicht bekannt) als der Buchwert ist, wird kalkulierbar auf die nächsten Jahre verschoben (bis zu 20). Streng genommen wird der Abschreibungsbedarf nicht verschoben, sondern durch Rückstellungen für die Differenz zwischen Buchwert und dem sog. Fundamentalwert ersetzt, aber das hat für das Eigenpatial den gleichen Effekt. Durch die enormen Differenzen zwischen Markt- und Buchwerten und der Masse der toxischen Papiere wäre das Eigenkaptial von einer Vielzahl von Banken und damit auch deren Existenz erheblich bedroht. Das genaue Ausmass des Abschreibungsbedarfes ist öffentlich aus gutem Grund nicht bekannt, denn auch das könnte für die betroffenen Banken schon tötlich sein.
  • Der grösste Vorteil für Banken liegt hier vor allem bei Papieren ohne Marktwert oder mit momentan unverhältnismässig verringertem Marktwert. Hier ermöglicht die Bad Bank mit Hilfe staatlicher Garantien eine „bilanzielle Einpreisung“ der realistischen Werte anstatt auf die aktuellen Marktwerte, wenn überhaupt vorhanden.
  • Dieses bessere „Verdauen“ der Risiken von toxischen Papieren dürfte, so das Ziel des Ganzen, das Vertrauen der Banken untereinander wieder erhöhen und das Interbank-Lending verstärken.
  • Ausserdem müssen die Banken die vom SoFFin gesicherten Anleihen im Gegensatz zu den toxischen Papieren nicht mit Eigenkapital hinterlegen (da sicher), so dass sie das frei gewordene Eigenkapital (hoffentlich) dafür verwenden, zusätzliche Kredite zu vergeben.

Unklar ist jedoch, ob dieses Konstrukt den Banken ausreicht, um ihre toxischen Papiere zu verdauen. Dies hat zwei Aspekte:

  • Zunächst müssen die Banken gleich zu Beginn 10% auf den Buchwert abschreiben. dies kann substantiell sein. So soll z.B. die Commerzbank 55 € Mrd. an solchen Papieren in ihren Büchern haben. 10% davon, also 5,5 € Mrd. an Abschreibungen/zusätzlichem Eigenkapital sind kein Pappenstil.
  • Ob die Banken insgesamt die Differenz zwischen Buchwert und Fundamentalwert der toxischen Papiere schultern können ist ebenso unklar. Falls dies nicht gelingt, werden doch staatliche Eigenkapitalhilfen notwendig.
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9 Responses to Steinbrücks Konzept zu Bad Banks

  1. […] Steinbrücks Konzept zu Bad Banks. (Willkommen im […]

  2. Thomas sagt:

    Zitat: „Das einzige Risiko des Steuerzahlers besteht somit darin, dass Banken insolvent werden und mögliche Ausfälle der toxischen Papiere nicht ausgleichen könnten. Angesichts der Einstufungen der Banken als systemisch relevant dürften solche Szenarien jedoch politisch verhindert werden“

    Ist das nicht ein Zirkelschluß? Das heißt doch nichts anderes als: Ein Risiko für den Staat besteht nicht, weil der Staat verhindern wird, daß es eintritt.

  3. ketzerisch sagt:

    Da würde ich Thomas sekundieren. Klingt auch in meinen Ohren nach einem Zirkelschluss.

  4. aflasbar sagt:

    In der Tat, das ist ein Zirkelschluss. Aber eben wegen dieses Zirkelschlusses ist das Risiko des Steuerzahlers ja so gering. Da wir die grossen Banken nicht pleite gehen lassen werden, ist auch das Kapital, das sie bekommen, entweder Eigenkapital oder Garantien, quasi per Definition niemals verloren.

    Im Gegensatz dazu ist das Risiko des Steuerzahlers im US-Modell erheblich höher. Wenn für die toxischen Papiere zuviel gezahlt wird, zahlt der Steuerzahler einen Teil der Zeche. Er partizipiert zwar andersherum auch am Upside, aber geht eben schon ins Risiko.

    Das deutsche Modell, in dem sich das Risiko auf Garantien beschränkt, die wegen des Zirkelschlusses nie „verloren“ gehen, finde ich da erheblich sinnvoller (wenn es denn ausreicht…).

  5. Thomas sagt:

    Das verstehe ich ehrlich gesagt nicht:

    Daß wir die Banken „nicht pleite gehen lassen“ bedeutet doch nichts anderes, als daß der Staat im Notfall beliebig viele Mittel zur Verfügung stellen wird, um sie zu stützen. Inwiefern verringert das das Risiko des Steuerzahlers? Der Steuerzahler ist es doch gerade, der diese Mittel aufbringen muß.

    Oder anders ausgedrückt:

    Die Tatsache, daß wir die Bank am Leben erhalten, bedeutet doch nicht, daß sie in Zukunft Gewinne machen wird (die ja benötigt würden, um die jetzigen Verluste abzubezahlen). Vielleicht wird sie das, vielleicht auch nicht. Vielleicht macht sie sogar noch mehr Verluste, für die dann wiederum der Steuerzahler aufkommen muß.

    Mit genau der gleichen Argumentation könnte man z.B. vertreten, Arcandor als systemisch wichtiges Unternehmen zu definieren, das der Staat niemals pleite gehen läßt. Sobald man diese Definition gemacht hat, kann man unbesorgt beliebig viele Bürgschaften für Arcandor ausreichen, denn diese können ja nicht verlorengehen, weil wir Arcandor ja per Definition nicht pleite gehen lassen.

    Stimme aber grundsätzlich zu daß das amerikanische Modell schlechter ist, weil die Papiere im Zweifel zu teuer gekauft werden, und kein Rekurs zurück zu den Banken besteht.

  6. aflasbar sagt:

    Ja, theoretisch hast Du recht, aber praktisch gesehen ist in meinen Augen die Wahrscheinlichkeit, dass Banken (vielleicht von den Landesbanken abgesehen…) wieder in die Profitabilität zurückkehren, wesentlich höher als bei allen anderen Unternehmen.

    Das Geschäftsmodell einer Bank (Geld billig von „unwissenden“ Sparen und der Zentralbank leihen und teuer wieder verleihen) ist einfach zu tragfähig.

  7. Thomas sagt:

    Der Ansicht kann man natürlich sein.

    Vielleicht bin ich voreingenommen, aber ich denke da z.B. an meine Erfahrungen mit der Dresdner Bank, nachdem ich ihr vor ein paar Monaten ein Festgeld anvertraut habe: Seitdem gab’s schon mehrere verzweifelt klingende Nachrichten auf meinem Anrufbeantworter, ich möge doch bitte unbedingt zurückrufen zwecks unwiderstehlich toller Anlagemöglichkeiten. Und als ich in der Filiale war, um das Festgeld anzulegen, herrschte gähnende Leere. Es gab da 10 Schreibtische, 5 Berater, und einen Kunden (mich), den man gar nicht mehr gehen lassen wollte, sondern den man endlos über ach so tolle Angebote informieren wollte. Habe mich dann nach einer halben Stunde losgeeist, und in der ganzen Zeit kam nicht ein einziger neuer Kunde.

    Ich habe den Verdacht, daß das Geschäftsmodell im Privatkundenbereich am Zusammenbrechen ist. Die jungen Kunden merken, daß standardisierte Onlinebanken bessere Konditionen bieten, und daß die „Beratungsleistung“ der Filialbanken meist die Zeit nicht wert ist, die man braucht, um sie anzuhören, geschweige denn, über Gebühren auch noch dafür zu zahlen. Ergebnis: Commoditisation und geringere Margen, sowie viel zu viel überflüssiges Personal.

    Mag sein, daß ich das als überzeugter Direktbankkunde zu schwarz sehe, aber wenn der Trend weiterhin in die Richtung weitergeht, hätte das schon einen Effekt auf die von Banken erzielbaren Renditen.

  8. ketzerisch sagt:

    Meiner Meinung nach wird mit Banking das gleiche passieren, was nach der Großen Depression passierte: Es bleibt nur das „Boring Banking“ und der Anteil an BIP halbiert sich. Eine Rückkehr zu den vergangenen Margen halte ich für unrealistisch, zumal der Regulator mehr dafür tun wird den Leverage zu begrenzen.

  9. aflasbar sagt:

    Thomas, interessante Kundenperspektive…

    Und ja, ich sehe die Entwicklung des Bankensektors genau wie ketzerisch, bzw. hoffe sehr, dass verbesserte Regulierung dazu führen wird. Trotzdem bin ich da sehr zuversichtlich und glaube, dass wir uns um Bankenpleiten und den Ausfall von garantierten Wertdifferenzen im Bad Bank-Modell keine ernsthaften Sorgen machen müssen.

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